Rückblick: Hessischer Obstwiesentag 2025

Unter dem Motto „Die Bedeutung und der Erhalt von Streuobstwiesen für unsere hessische Heimat“ beschäftigte sich der Hessische Obstwiesentag 2025 mit aktuellen Entwicklungen und Fragestellungen rund um die hessischen Streuobstwiesen.

Das war der Hessische Obstwiesentag 2025

Am 10. Oktober 2025 fand in den Räumlichkeiten der Naturschutzakademie Hessen in Wetzlar der Hessische Obstwiesentag 2025 statt. Es handelte sich um eine Kooperationsveranstaltung zwischen dem Streuobstwiesenzentrum Hessen (SZH), der Naturschutzakademie Hessen, dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V. Koordinierungsstelle Hessen, der Hessischen Gartenakademie und dem Landesverband Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege (LOGL) Hessen.

Unter dem Motto „Erhalt heimischer Streuobstwiesen und ihrer Bewohner“ beschäftigte sich der Hessische Obstwiesentag 2025 mit aktuellen Entwicklungen und Fragestellungen rund um die hessischen Streuobstwiesen. Mit über 80 Anwesenden war die Veranstaltung ausgebucht. Durch die Veranstaltung führten Andreas Baumann vom Streuobstwiesenzentrum Hessen und Dietmar Simmering vom DVL Hessen.

Staatssekretär Michael Ruhl
Staatssekretär Michael Ruhl eröffnete den Hessischen Obstwiesentag mit einem Grußwort (© HMLU)

In seinem Grußwort zur Eröffnung bedankte sich Staatssekretär Michael Ruhl vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU) bei allen ehrenamtlichen Akteuren, die mit ihrem Engagement zum Erhalt der hessischen Streuobstwiesen beitragen. Er betonte die tiefe Verbundenheit, die die Menschen in Hessen mit dem Apfel hätten – ob in fester oder flüssiger Form.

Projektleiter Andreas Baumann stellte anschließend aktuelle Entwicklungen im Streuobstwiesenzentrum Hessen vor. Er verwies auf die neu etablierte landesweite Börse, in der verschiedene Dienstleistungen oder Produkte rund um das Thema Streuobst angeboten oder gesucht werden können. In einer gemeinsamen Kampagne mit dem DVL Hessen informiert das SZH über die Gefahr der Laubholzmistel für Streuobstbäume (hier finden Sie die zugehörige Pressemitteilung).

Hessische Lokalsorte 2026

Danach präsentierte Steffen Kahl vom Pomologen-Verein die Hessische Lokalsorte 2026: Die Mensfelder Glanzrenette. Mit dieser Aktion lenkt die Landesgruppe Hessen des Pomologen-Vereins seit fast 25 Jahren die Aufmerksamkeit auf seltene hessische Lokalsorten. In einigen Fällen waren nur noch einzelne Altbäume bekannt. In Kooperation mit Baumschulen konnten diese Sorten wieder vermehrt und so vor dem Verschwinden bewahrt werden. Weitere Informationen zu den  Lokalsorten des Jahres finden Sie hier.

 

Forschung zu Unterlagen

Nach den vermehrten trockenen und heißen Sommern der letzten Jahre treibt viele Akteure das Thema Klimawandel um. Eine häufige Frage in der Beratung lautet: Gibt es Baumformen, die mit Hitze und Dürre besser zurechtkommen? Hier setzt das Forschungsprojekt von Anna-Lea Ortmann von der Hochschule Rhein-Waal an. In ihrem Vortrag „Trockenheitsverträglichkeit verschiedener Apfelunterlagen“ stellte die Doktorandin Forschungsfragen und Versuchsdesign ihrer Abschlussarbeit vor.

Hier finden Sie die Präsentation als pdf. 

Anna-Lea Ortmann beim Vortrag
Anna-Lea Ortmann beim Vortrag (© SZH)

Projekt KOMBI

Die Besitzverhältnisse im Streuobst in Hessen sind oft sehr kleinteilig. Parzellengrößen von 1000 Quadratmetern oder weniger sind keine Seltenheit. Sowohl für Bewirtschafter als auch auf Behördenseite ist das Beantragen respektive Bewilligen von Agrarnaturschutzmaßnahmen daher mit einem sehr hohen Aufwand verbunden. Hier setzt das Projekt KOMBI (Kollektive Modelle zur Förderung der Biodiversität) an: Im sogenannten Niederländischen Modell beantragen Betriebe gemeinsam, über eine Kooperative, Fördermaßnahmen. Projektkoordinator Moritz Stüber vom Deutschen Verband für Landschaftspflege erklärte die Hintergründe. In Hessen gibt es eine von bundesweit vier Modellregionen, in denen die Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill praktische Erfahrungen im Streuobst sammelt. Geschäftsführer Günter Schwab präsentierte die bisherigen Aktivitäten in der Modellregion.

Bodenanalysen

Anika Hensel vom Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis lenkte anschließend den Blick auf den Boden. Gemeinsam mit Akteuren des Arbeitskreis Streuobst Maintal organisierte sie mehrere Bodenanalysen im Streuobst-Hotspot „Berger und Bischofsheimer Hang und Streuobstwiesen bei Hochstadt“. Die Ergebnisse zeigten auf vielen Flächen teilweise deutliche Mängel bei der Verfügbarkeit von Nährstoffen. Dieser Mangel wird in der Fachwelt als eine Ursache für das vermehrte Auftreten von Schwarzem Rindenbrand bei Apfelbäumen gesehen. Die Akteure in Hochstadt versuchten die Mängel mit moderaten Düngergaben von abgelagertem Festmist oder Kompost zu beheben.

 

Podiumsdiskussion

Nach dem Vortragsprogramm fand eine Podiumsdiskussion statt zum Thema „Die Streuobstwiese im Heimatkontext – was bedeutet das für hessische Akteure?”. Die Moderation übernahm Ira Spriestersbach vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat.

Podiumsdiskussion zum Thema Streuobst und Heimat (© SZH)

Auf dem Podium diskutierten:

  • Irmgard Beck, Landfrauenverband Hessen e.V.
  • Martin Heil, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien e. V.
  • Moritz Stüber, Deutscher Verband für Landschaftspflege
  • Marielle Theis, NABU Landesverband Hessen
  • Philipp Weckenbrock, JLU Gießen

Nach dem Gespräch waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, dass Streuobst und Heimat in Hessen gut zusammenpassen. Das zeige beispielsweise die Aufnahme der Apfelweinkultur in UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Das biete eine Motivation zum Erhalt abseits von Produktivität und Nutzen. Es gab aber auch Sorge, dass „Heimat“ zu einem Begriff der Ausgrenzung verkommen könnte.  Deshalb war allen Beteiligten wichtig, dass der Begriff „Heimat“ entsprechend positiv besetzt wird: Als etwas einladendes, an dem alle Menschen, unabhängig von Herkunft oder Religion teilhaben können.

Markt der Möglichkeiten

Im anschließenden Markt der Möglichkeiten war bei Kaffee und Kuchen reichlich Zeit für die  Vernetzung und den Austausch.

Detailaufnahme Infostand des Streuobstwiesenzentrums Hessen (© SZH)
Detailaufnahme Infostand des Streuobstwiesenzentrums Hessen (© SZH)

Folgende Aussteller waren mit einem Informationsstand vertreten:
BaumLand-Kampagne 
DVL-Koordinierungsstelle Hessen 
Hessische Gartenakademie 
JLU Gießen, Agroforst Gladbacherhof  
Landesverband Hessen für Obstbau, Garten und Landschaftspflege e.V.
MainÄppelHaus Lohrberg 
NABU Landesverband Hessen und NABU Bad Nauheim 
Pomologen-Verein, Landesgruppe Hessen 
Regionalverband FrankfurtRheinMain 
Streuobstwiesenzentrum Hessen 
Weidewelt e.V.

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